Der DocBlog – Notarzt sein …

Liebe Freunde, 

ich sitze gerade in einem Café und genieße meine Mittagspause. Das ist auch dringend nötig, denn heute früh bin ich direkt von der Notarztwache in die Praxis gefahren, was nichts besonderes ist, denn meine Zeit als hauptberuflicher Notarzt ist vorbei. Jetzt reihen sich die Notarztdienste in den normalen Tagesablauf ein und müssen neben der Behandlung meiner Patienten in der Praxis und der Family-Time erledigt werden. Dafür bleiben oft nur das Wochenende und die Nächte. Und trotzdem fahren viele Ärzte in der Nacht raus um Hilfebedürftigen binnen Minuten zur Seite zu stehen und Leben zu retten.

Leider dünnt meine Zunft aus, denn immer weniger Ärzte entscheiden sich dafür diesen steinigen Weg zu gehen, was zum einen an den Kosten und dem großen Aufwand liegt, den es bedeutet die Zulassung als Notarzt zu bekommen, zum anderen aber auch daran, dass die Doppelbelastung manchmal sehr anstrengend sein kann. Denn wenn ich Nachtdienst auf der Rettungswache habe gehe ich am Morgen in die Praxis, nach der Arbeit fahre ich auf die Wache, hoffe auf eine ruhige Nacht und fahre, wenn die beendet ist zurück zur Arbeit. Warum ich es trotzdem tue? Weil irgendwer den Job machen muss und weil er Spaß macht. Es kommt in letzter Zeit immer öfter vor, dass, insbesondere im ländlichen Gebiet, Notarztdienste unbesetzt sind und im Notfall niemand da ist, der Leben retten kann. Klar, die Notfallsanitäter sind heutzutage so gut ausgebildet, dass sie in der Lage sind Schlimmstes abzuwenden. Aber sie bewegen sich da manchmal wirklich in rechtlichem Graugebiet und müssen Entscheidungen treffen, über die zu befinden eigentlich notärztliche Aufgabe ist.

Umso dramatischer und vor allen Dingen ärgerlicher ist es, wenn man dann zu Einsätzen gerufen wird, die man, auch mit ganz viel gutem Willen, nur als Missbrauch des Rettungsdienstes bezeichnen kann, so wie heute Nacht geschehen. Es war gerade ein Uhr, alle Mitarbeiter der Rettungswache schliefen den Schlaf der Gerechten. Niemand war in Gefahr, wir ruhten uns aus – alles war gut. Bis der Melder uns urplötzlich aufschreckte um uns zu einem Einfamilienhaus am Rande der Nachbarstadt zu schicken. Dort sollte ein psychiatrischer Notfall vorliegen. Mehr war nicht bekannt. Also schlüpften wir in unsere Dienstschuhe, warfen die Motoren an und machten uns auf den Weg. Vor Ort angekommen war relativ schnell klar, dass ein Notfall nicht vorlag und wir so überflüssig waren wie ein Kropf. Der Streit eines Ehepaares im mittleren Alter war darin gegipfelt, dass der Ehemann, meiner Meinung nach verständlicherweise, dem Konflikt aus dem Weg gehen wollte, indem er einfach eine Runde um den Block ging. Das versetzte die Dame des Hauses in derartige Gefühlswallungen, dass sie keine andere Möglichkeit sah als uns zu rufen und uns damit für andere, wirklich wichtige Einsätze zu blockieren. Die Frau war völlig aufgebracht und sah auch nicht ein, dass es uns technisch, sowie juristisch nicht möglich war den entlaufenen Gatten wieder „einzufangen“. Nach ausführlicher Erklärung musste sich die Anruferin damit abfinden und wir zogen von dannen.

Wenn man also bedenkt unter welchen persönlichen und organisatorischen Schwierigkeiten Notärzte und Rettungsdienstler ihrer wichtigen Aufgabe nachkommen sind derartige Einsätze unerträglich. Glücklicherweise blieb der Rest der Nacht ruhig, keine Vorkommnisse, niemand in Gefahr, sodass ich am Morgen ausgeschlafen und gut gelaunt die Tür zur Praxis öffnen konnte …

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und freue mich darauf auch nächste Woche von meinem spannenden Alltag zwischen Familie, Praxis, Notarztwache und Filmset zu berichten.

Euer Falk.