Ein ganz besonderes Fahrzeug …

Hey ho,

Es ist so weit! Nach einer wirklich wahnsinnig anstrengenden Woche, melde ich mich nun bei euch zurück mit einem neuen Blog-Beitrag. Die letzte Woche war wirklich eine der einsatzreichsten, die ich seit langem erlebt habe. Viele heftige Unwetter riefen die Feuerwehr mehrfach auf den Plan, um Schäden zu beseitigen und unendlich viele Liter Wasser zu pumpen. Aber auch unsere DRK Bereitschaft war an diesem Wochenende alarmiert. Unsere Hauptrettungswache, unser Hauptlager, das Katastrophenschutzlager und eine andere Bereitschaft unseres Kreisverbandes waren komplett mit Wasser vollgelaufen. Und das über einen Meter hoch! Also könnt ihr euch vorstellen, wie viel Arbeit dieses Wochenende auf uns zu kam. Bis wir zum Normalzustand zurückkehren können, wird es vermutlich noch eine ganze Weile dauern. Deshalb blieb, wie gesagt, kaum Zeit zum Posten und Schreiben.

Aber! Hier ist ja nun endlich der nächste Post von mir.

Heute will ich mich einem interessanten Thema widmen, worüber ich schon etliche Nachfragen erhalten habe. Und zwar will ich mich mal ganz banal unseren Rettungswagen beschreiben. Oft liest man ja von einer „rollenden Intensivstation“ und solchen Schlagwörtern. Aber was heißt das überhaupt? Welche Möglichkeiten haben wir eigentlich und vor allem: Was haben wir alles dabei?

Das will ich euch nun ganz grob beschreiben, für diejenigen, die noch nie in einem Rettungswagen waren und davon gar keine Vorstellung haben.

Fangen wir mit dem Fahrzeug an. Der Rettungswagen ist etwa 4 Tonnen schwer und hat einen Aufbau auf dem Fahrgestell, in dem die ganzen Materialien untergebracht sind. Die Hersteller solcher Fahrzeuge kaufen die Fahrgestelle zum Beispiel bei Mercedes und bauen dann ihre „Koffer“ darauf auf. Demnach braucht man für das Fahren einen kleinen LKW-Führerschein (C1).

Im „Führerhaus“ des RTWs ist erst mal gar nicht so viel untergebracht. Natürlich sind wir mit diversen Funkgeräten und einem Navigationssystem ausgestattet, was mit dem Funk verbunden ist. So kann die Leistelle bei der Alarmierung direkt die Adresse des Einsatzortes auf unser Navi schicken und wir brauchen nur noch losfahren. Das erspart lästiges und zeitaufwendiges Suchen. Natürlich unsere Schutzausrüstung wie Einmalhandschuhe und Schutzhelme sind dort untergebracht. Auch Taschenlampen und die Materialien für die Dokumentation.

Kommen wir nun zum eigentlichen Herzstück des RTWs, dem Kofferaufbau. Zieht man die seitliche Schiebetüre auf, springen einem direkt zwei Dinge ins Gesicht. Der große Notfallrucksack und das Oxybag. Sauerstoff und den Rest haben wir voneinander getrennt, da die Rucksäcke sonst zu schwer wären.  Auf den Rucksack werde ich demnächst noch genauer eingehen. Nun gehe ich auf die Gegenstände ein, die nicht in Schubläden untergebracht sind, sonder im Raum „hängen“. Da wäre zunächst unser Patientenmonitor, eine Akku-Absaugpumpe. Ein tragbares Beatmungsgerät und eine Spritzenpumpe/Perfusor. Diese Gegenstände sind an Schienen im Innenraum befestigt, damit sie sofort griffbereit sind. An der Hecktüre des RTWs hängt noch unser Wirbelsäulenbrett/Spineboard. Auch zwei Funkhörer (Analog und Digital) sind im Innenraum befestigt. Allein diese Gerätschaften sprechen schon dafür, dass wir in diesem Fahrzeug wirklich schwerstkranke Patienten versorgen können.

Nun will ich auf ein paar Schubladen eingehen. In den Schubladen befinden sich die Verbrauchsmaterialien. Hier zähle ich nun einfach einige Sachen auf, die wir dort dabei haben. Alles kann ich natürlich unmöglich aufzählen, da das hier sonst eine mehrseitige Liste wäre.

Fangen wir oben an. Einen Schrank mit diversen Medikamenten und das Zubehör dafür, einen Ausziehschrank mit Materialien für den venösen Zugang und die Diagnostik. Eine Schublade in der alle Dinge untergebracht sind um die manuelle Beatmung des Patienten sicherzustellen. Eine Schublade für warme Infusionen, aber auch eine für gekühlte. Eine für die Intubation des Patienten mit allem, was dazu gehört. Eine chirurgische Schublade, mit deren Materialien man einen kleinen Eingriff vornehmen könnte und abgetrennte Körperteile ordentlich verpackt werden können.  Auch für den Infektionsschutz gibt es ein Fach. Dort sind verschiedene Einwegkittel und Anzüge untergebracht. Einen großen Schrank für Vakuumschienen und das Zubehör für das Spineboard. Weiterhin ein großes Fach für die Sauerstoffversorgung. Insgesamt haben wir zwei 10l Falschen und 2 2l Flaschen Sauerstoff dabei, was für einige Stunden reicht. Auch ein großes Fach für die Einwegwäsche ist vorhanden. Da wir ausschließlich Einwegdecken und Laken verwenden, haben wir davon immer ziemlich viel dabei. Auch nicht zu vergessen wären natürlich die Verbandmaterialien. Diese sind auch in einer großen Schublade untergebracht. Jetzt muss ich gerade selbst überlegen, dass ich nicht vergessen habe. Denn wie ihr bisher merkt, ist es tatsächlich ziemlich viel dabei

Natürlich fehlt noch das Außenfach. Da ist noch einiges drinnen. Zum Beispiel unsere Vakuummatratze, unser Tragestuhl mit Raupe, eine Schaufeltrage und unsere Traumatasche. Darin befinden sich eine Rettungsboa, Stifnecks, eine Beckenschlinge und Tourniquets.

Wie ihr seht, ist man mit so einem Fahrzeug fast für alle Fälle gewappnet. Das war jetzt nur ein grober Überblick über unser Material. Würde ich dieses noch tiefgründiger beschreiben, wäre das aber einfach zu viel. Jedenfalls ist es mehr, als die Meisten wohl erwarten würden.

Und zum Schluss fehlt natürlich noch das aller Wichtigste. Und was fragt ihr euch jetzt?

Die Menschen, die hinter dem Steuer sitzen und die Leben retten. Und genau das regelt das (in meinem Fall) Hessische Rettungsdienstgesetz (HRDG). Dieses besagt, dass auf einem Rettungswagen IMMER ein Rettungsassistent/Notfallsanitäter und ein Rettungssanitäter.

Natürlich ist die Ausstattung in jedem Landkreis unterschiedlich. Ich gehe eben hier nur von unserem Modell aus und lasse andere außer Betracht.

Dennoch hoffe ich, ich konnte euch einen groben, ersten Eindruck verschaffen und ihr könnt sehen, dass man mit so einem Rettungswagen echt einiges anfangen kann und die Menschen darin echt einiges mehr leisten als die meisten Menschen eigentlich vermuten würden.

Bis nächstes Mal

Eurer Marius aka ma_be_zi