Eine gänzlich andere Sicht

Hallo Freunde,

nach unserem letzten Blogbeitrag erreichte uns ein Leserbrief, den wir euch nicht vorenthalten wollen, beschreibt er doch eine Sicht der Dinge, die uns so bisher nicht bewusst war. Aber lest selbst:

Hallo, ihr letzter Beitrag sowohl auf Instagram wie auch ihr Blog, haben mich etwas zum nachdenken angeregt…
Ich würde gerne einmal die andere Seite erzählen … mit andere Seite des Rettungsdienstes mein ich nicht die des Patienten, sondern die der Familie…in meinem Fall der 27 jährigem Ehefrau/ noch ohne Kinder….
Mein Mann ist Notfallsanitäter und ich liebe ihn über alles für das was er tut … ohne den Rettungsdienst, hätte ich jetzt keinen Grund diese E-Mail zu verfassen… Auch ich habe auf einer Rettungswache gearbeitet, wir haben uns dort kennen und lieben gelernt… ich habe dann einen anderen beruflichen Weg für mich gewählt, trotzdem ist das Thema Rettungsdienst omnipräsent bei uns.
Wenn ich sage andere Sicht erzählen, dann meine ich nicht die verpassten Familienfeiern, nicht die verständnislosen Blicke, wenn man um 0:00 Uhr von der Hochzeit, samstags, gehen muss, weil um 5:15 Uhr der Wecker wieder klingelt, nicht die unterschiedlichen Lebensmodelle in denen man häufig mehr nebeneinander wie miteinander wohnt, nicht die Tatsache beim Hausbau einen begehbaren Kleiderschrank mit zu denken, damit der andere nicht beim schlafen gestört wird und auch nicht die immer wiederkehrenden Erklärungen, warum man den sonntags erst um 16:00 Uhr zum Essen kommt und nicht um 12:00, er muss doch „nur“ bis 7:00 arbeiten, dann könnt ihr doch eigentlich zum Frühstück kommen …?!
Sondern ich meine die Tatsache, was es mit einem Menschen ganz persönlich macht, wie es die Familie verändert, wenn der eine etwas erlebt…vieles erlebt…vieles schlimmes erlebt…und immer sagt und alle denken, er steckt das schon weg… ist der Typ dafür der das abkann… die Wachentür zu machen und dann ist frei…
Ich kann sagen, so einfach ist das nicht!
Es erfordert unglaublich viel Feingefühl und Respekt füreinander um damit auf Dauer klar zu kommen.
Meine Ehe wäre an einer privaten Situation…(wir mussten im privaten reanimieren, haben wir als Team auch gut hinbekommen… hat dann aber nicht sollen sein) fast gescheitert! Er wollte mir nicht sagen, dass er jede Nacht auf der Wache nicht schlafen kann, weil er Angst hat das der Melder geht und es liegt wieder eine geliebte Person dort… weil er mich nicht wieder mit in die Trauer ziehen wollte, durch die ich, ja beruflich anders orientiert, längst durch war… weil er, als es wieder passiert ist, der Melder ging und es war eine geliebte Person die dort schwerst Verletzt lag, das eben nicht mehr „weggesteckt“ hat… weil es ihn verändert hat und weil es fast unsere Ehe gekostet hätte …
Was ich damit sagen will… so sehr ich den Rettungsdienst, die Notfallmedizin, die Ärzte, Gesundheits-und Krankenpfleger, etc… schätze und achte für das was sie tun… sollten wir nie… wirklich nie, bei aller Achtung und Bewunderung vergessen das auch sie nur Menschen sind.
Das auch sie Probleme haben, das sie schlechte Tage haben und das sie Zeit für sich brauchen um alles erlebte zu verarbeiten. Ich habe aktuell das Gefühl das wir alles sehr schnell „verherrlichen“ und mehr Respekt für die Retter im Beruf fordern, definitiv … Respekt gegenüber dem Retter ist eine Grundsäule unserer Gesellschaft, aber eben auch im privaten … Auch sie sind nur Menschen, auch sie haben eine Familie und bitte vergesst diese und dieses unter all dem Leuchtrot und dem Blaulicht nicht. Danke …

P.S. Ich mag dir 24h Dienste eigentlich schon sehr… so kann ich mit Freundinnen essen gehen, kann Überstunden machen soviel ich will oder einfach meine Lieblingsserie im Fernsehen schauen, ohne auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen… kann mich also dann ausleben, wenn er eh nicht da ist und wir können die Zeit die wir zusammen haben besser gestalten, den Quantität ist eben nicht alles…

Ich musste das einfach mal loswerden, nachdem ich ihren Kanal gefunden habe, ihre Bücher an die Medizinstudenten verschenkt und ihren Blog gelesen habe.

 

Mit diesen Zeilen zum Nachdenken verabschieden wir uns für diese Woche und wünschen euch einen schönen Start in die Neue.

Marius und Falk.