Es wird mal kurz hell im Hals…

Hallo Leute,

ich hoffe es geht euch gut. Als erstes möchte ich mich für das zunehmende Interesse an unserem Blog bedanken. Nicht nur die vielen Follower und Likes bei Instagram, sondern auch die regen Diskussionen, die sich auf Basis unserer Texte entwickeln freuen uns sehr. Marius und ich hätten nie damit gerechnet, dass wir so schnell so viele Menschen für unsere Themen Medizin und Rettungsdienst begeistern können. Solltet ihr euch für irgendwelche Themen im Speziellen interessieren, dann sind wir immer gerne bereit auf eure Fragen einzugehen.

Heute möchte ich euch mit einer Maßnahme vertraut machen, die eine der gefährlichsten in der Versorgung schwer kranker oder verletzter Patienten darstellt und deshalb nur als letzte Möglichkeit genutzt werden sollte um dem Patienten das Leben zu retten. Richtig eingesetzt kann sie aber auch genau das vollbringen – sie rettet Menschenleben. Ihr werd es dem Foto schon entnommen haben: es geht um die endotracheale Intubation. Das ist Medizinerdeutsch und heißt nichts anderes, als, dass einem Menschen ein Beatmungsschlauch tief in den Rachen und dann in die Luftröhre geschoben wird. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass diese Technik mit einigen ernsthaften Problemen und Risiken verbunden ist, weshalb man sich nie leichtfertig dazu entscheiden darf so etwas zu tun. Insbesondere im „Feld“, also am Notfallort ist das Risiko viel höher als im Krankenhaus, wo zur Not Backup Mechanismen zur Verfügung stehen und man allgemein viel bessere Bedingungen vorfindet.

Es gibt eigentlich nur zwei Gründe, die es rechtfertigen einen Notfallpatienten zu intubieren. Zum einen muss man reagieren, wenn jemand nicht mehr atmen kann. Dieser Zustand kann wiederum viele Ursachen haben, die von der geschwollenen Zunge wegen einer Allergie, bis hin zum berühmten Lungenödem, auch als Wasser-in-der-Lunge bezeichnet, reichen. Die zweite Ursache für eine so drastische Maßnahme, wie die Intubation ist eine schwere Bewusstlosigkeit. Wir Mediziner unterscheiden in der Beurteilung eines Bewusstlosen 13 verschiedene Schweregrade.  Vereinfacht gesagt müssen Patienten, die in der unteren Hälfte dieser 13 Stufen liegen intubiert werden, weil deren Schutzreflexe, also die angeborenen Barrieren des Körpers gegen mechanische Irritationen, nicht mehr ausreichen oder ganz erloschen sind. Solche Patienten können dann beispielsweise an ihrer eigenen Zunge oder an Erbrochenem, was ungehindert von der Speiseröhre in die Lunge fließt, ersticken.

Weil die Intubation aber per se auch nicht ungefährlich ist, gilt es gut das „Für“ und „Wider“ abzuwägen. Denn um den Schlauch auch passgenau in die Luftröhre vorschieben zu können ist, so widersinnig das klingt, eine Narkose nötig, um den Bewusstlosen noch bewusstloser zu machen und demjenigen, der kaum noch atmen kann sämtlichen Atemantrieb zu nehmen. Das nennt man dann Narkose. Spezielle Medikamente sorgen also dafür, dass die Muskeln erschlaffen und der Patient gänzlich ins Koma fällt. Ohne diese Maßnahmen wäre es unmöglich den Spatel, den ihr auf dem Bild seht, so weit in den Rachen zu schieben, dass er als Führung für den Tubus, also den Beatmungsschlauch dienen kann, der noch viel tiefer hineingeführt wird. Es ist für uns Ärzte schon manchmal ein Problem mit einem Holzspatel die Mandeln eines Patienten zu inspizieren, weil viele dann anfangen zu würgen. Stellt euch mal vor, jemand würde versuchen euch einen Schlauch ganz tief in die Lunge zu schieben – geht nicht. Die Narkose sorgt dafür, dass es doch funktioniert.

Wenn der Schlauch dann dort ist, wo er hingehört, wird er an eine Beatmungsmaschine angeschlossen, die, nach genau definierten Parametern, die Schnauferei für den Kranken übernimmt. Ab dem Moment, indem wir die Narkosemedikamente spritzen haben wir die volle Kontrolle über Leben und Tod eines Menschen. Damit darf man nicht leichtfertig umgehen.

Ich hoffe, ich konnte euch diese, extrem wichtige Technik ein Bisschen näher bringen und beantworte gern eure Fragen.

Bis nächste Woche,

Euer Falk.