Ich sehe tote Menschen …

Hallo Leute,

schön, dass ihr unserem Blog weiter treu bleibt.

Nachdem Marius euch diese Woche an seinen Erfahrungen bei der Großübung hat teilhaben lassen möchte ich euch von einem Termin der etwas anderen Art berichten, den ich diese Woche wahrnehmen durfte. Am Mittwoch hatte ich nämlich ein Meeting mit ein paar toten Menschen. Ich traf mich mit Prof. Lars Bräuer. Nun ist der zwar auch alles andere als tot, fungiert jedoch so zu sagen als der Chef der Fraktion der Ehemaligen. Prof. Bräuer ist nämlich Professor für Anatomie an der Universitätsklinik Erlangen. Wie einige von euch vielleicht wissen arbeiten mein Team und ich momentan mit Hochdruck an einem qualitativ sehr wertigen (so zumindest unser Anspruch) YouTube Projekt, bei dem wir schwere oder zumindest komplizierte und häufige Krankheiten so erklären, dass sie der medizinisch interessierte, aber nicht vorgebildete Zuschauer versteht und sich nach Möglichkeit auch noch ein klein Wenig unterhalten fühlt.

In diesem Zusammenhang haben wir uns entschieden mit dem Thema „Die Schilddrüse und ihre Erkrankungen“ zu starten, denn sind wir ehrlich – ganz schön viele Menschen leiden unter Problemen des kleinen Organs. Und jetzt kommt’s: Einige wissen nicht einmal wo sie sitzt, die so wichtige Drüse. Um dieser Diskrepanz also gerecht zu werden haben wir uns vorgenommen das Organ mal in seiner ganzen Schönheit darzustellen. Und wie funktioniert das besser, als live und in Farbe. Wobei – so richtig farbig sind die Organe in Wirklichkeit überhaupt nicht. Alles irgendwie grau, zumindest bei aufbereiteten Körperspendern. Für unser Video haben wir also eine Anfrage an die Abteilung für Anatomie der Universität Erlangen gestellt und tatsächlich hat sich umgehend ein sehr sympathischer Mensch, nämlich ebenjener Professor Bräuer gemeldet, der an unserem Projekt großes Interesse hatte. Nach einigen Gesprächen, insbesondere über Fragen der Pietät und Wiedererkennbarkeit der Toten auf den Videos begannen wir also am Mittwoch in Erlangen zu drehen. Dabei hatten wir eine Menge Spaß! Insbesondere die Erklärungen des Professors über die Herkunft der Körper und deren Verbleib oder spätere Beisetzung waren extrem faszinierend. So kann sich jeder Mensch dafür entscheiden nach seinem Ableben als Körperspender der Wissenschaft und Ausbildung zu dienen. Aber nicht nur das; auch ob die Leiche für immer in der Fakultät bleibt oder nach einer gewissen Zeit bestattet wird kann eindeutig geklärt werden. Ich habe einen enormen Respekt vor den Menschen, die sich dafür entscheiden uns Lebende nach dem Tod zu lehren.

Während des gesamten Drehs fühlte ich mich sehr an meine Zeit in der Uni erinnert. Insbesondere die Anatomie war für mich eines der schwierigsten Fächer, was nicht unbedingt an der Menge des Stoffes lag (da kam später noch weitaus Schlimmeres), sondern daran, dass die Anatomieprüfungen und Testate die ersten richtigen Leistungsnachweise in der Uni waren – eine besondere Herausforderung für jeden jungen Studenten. Hier zeigt sich also, ob man die Fähigkeit besitzt ein ganzes Studium durchzustehen, oder ob man schon in den ersten Wochen scheitert.

Aber auch an den Gruselschocker „Anatomie“, jenen Film aus den Jahr 2000 fühlte ich mich erinnert, als ich die unzähligen Seziertische sah, unter denen jeweils eine echte Leiche auf ihre studentische Obduktion wartete. Meine Kollegin Katja, die hinter der Kamera steht und nicht viel mit Medizin zu tun hat, weil sie aus der PR kommt, war natürlich umso interessierter und faszinierter von all den Dingen, die sie am Mittwoch zum ersten Mal sah. Und so brauchten wir für ein paar Szenen, die insgesamt eine geschnittene Länge von vielleicht zwei bis drei Minuten haben werden am Ende fast vier Stunden, denn alles war so spannend und Professor Bräuer war ein toller Gesprächspartner, der alle Fragen geduldig beantwortete.

Ich bin mir sicher, dass wir für die nächsten Folgen wieder in der Anatomie drehen werden und freue mich bereits sehr darauf.

Bleibt uns treu, liked, followed und kommentiert.

Bis nächste Woche,

Euer Falk.