Klare Worte sind nötig!!

Hallo Freunde,

 

nichts hat die Rettungsdienstszene in den letzten Tagen mehr aufgebracht als der Skandal um den gekündigten Rettungsassistenten in Bamberg in Bayern. Dabei waren mindestens so viele Emotionen im Spiel wie Fakten und wo sich die beiden vermischen wird es richtig gefährlich.

Als wir uns entschieden haben einen Beitrag zu diesem Thema zu schreiben wollten wir ganz bewusst auf Fakten setzen, weshalb wir uns mit dem Chef des Deutschen Berufsverbandes Rettungsdienst (http://www.dbrd.de), Herrn König in Verbindung gesetzt haben, der den Fall vertritt und uns die tatsächlichen Fakten nähergebracht hat – dafür vielen Dank.

Was also ist genau passiert?

Die ganze Aufregung entzündete sich daran, dass besagter RA beschlossen hatte bei einer Patientin mit einem leichten Trauma nach Treppensturz eine Infusion zu legen um sie dann ins Krankenhaus zu fahren – eine Situation, wie sie in unserem Alltag ständig vorkommt. Alles geschah selbstverständlich nach ausführlicher Aufklärung und dem Einverständnis der Patientin. Womit sie allerdings nicht einverstanden war, war die Verbringung ins Krankenhaus, obwohl der RA auch hier intensiv aufklärte. Also hatte der Mann keine andere Wahl, als dem Wunsch zu entsprechen und die Frau darüber zu informieren, dass sie natürlich jederzeit erneut anrufen oder auch den ärztlichen Bereitschaftsdienst alarmieren könne. Im Nachhinein, und hier beginnen tatsächlich die Missverständnisse waren es nicht, wie zuerst gemeldet ÄLRD oder der Arzt aus dem Bereitschaftsdienst, die den betroffenen Assistenten angezeigt haben, sondern einer der eigenen Kollegen. Mal ganz abgesehen von der Frage ob und wo ein Fehler lag – Achtung, persönliche Meinung: Wie hinterfotzig ist das denn??? – aber gut. Was folgte ist bekannt:

Die fristlose Kündigung.

Und hier kommen, verständlicherweise die Emotionen ins Spiel. Denn man fragt sich schon, wie eine Hilfsorganisation, also der Arbeitgeber des gekündigten Assistenten, die sich Menschlichkeit auf die Fahne geschrieben hat, eine ganze Existenz zerstören kann. Denn Fakt ist, dass der Rettungsassistent noch 3 Wochen RTW Praktikum braucht um die Prüfung zum Notfallsanitäter zu absolvieren und dieses Praktikum wird ihm momentan verwehrt. Außerdem ist die Erde im nähren Umkreis des Betroffenen natürlich verbrannt, sodass eigentlich nur ein Umzug in Frage kommt, wenn der Mann in seinem Job weiterarbeiten möchte. Kann man das einer jungen Familie zumuten, nur weil der RA etwas getan hat, von dem er überzeugt war, dass es dem Patienten hilft und, das eigentlich zur Routine gehört? Man muss sich mal vor Augen führen, dass niemand verletzt wurde und, dass keinem Menschen ein Schaden zugefügt wurde. Um das Wohl des Patienten geht es hier also weniger. Aber worum dann? Persönliche Animositäten? Kompetenzgezicke?

Aber wie ist denn jetzt die rechtliche Lage?

Tatsache ist, dass alle invasiven Maßnahmen, die Rettungsassistenten und letztendlich auch Notfallsanitäter vornehmen im Rahmen des rechtfertigenden Notstandes durchgeführt werden, denn weder Sanitäter noch Assistenten sind Heiler im Sinne des Heilberufegesetzes. Zu Deutsch und provokant gesagt: Hochqualifizerte Taxifahrer. Wenn wir uns jetzt vor Augen führen wie lange die Ausbildung zum RA und NFS dauert, dass letztere sogar mit einem Staatsexamen abschließt und die frisch geprüften Sanitäter dann im Grunde die Dinge, die sie gelernt haben nicht wirklich anwenden dürfen, dann muss man sich da schon die Hand ganz fest vor die Stirn halten. Einen gewissen Einfluss haben hier natürlich die ÄLRDs, die bestimmte Maßnahmen freigeben und dem Assistenzpersonal so etwas mehr Sicherheit geben können. Rechtlich bleibt allerdings der Notstand, sprich: Du darfst die Dinge nur tun, wenn der Patient den Transport ins Krankenhaus nicht ohne deine Maßnahmen überleben würde.

Leute – es geht hier um einen Zugang, einen simplen venösen Zugang. Herr König, der Chef besagter Vertreterorganisation (siehe oben) erzählte uns am Telefon von einem Notarzt aus Würzburg, der genau aus diesem Grund einen korrekten vom RA gelegten intravenösen Zugang entfernte um direkt danach am anderen Arm einen neuen zu legen. Was sagt man dazu? Ein anderer Rettungsassistent zeigte sich aus lauter Verzweiflung selbst an, als ihn eine Notärztin wegen der Gabe eines BtMs, das aber vom ärztlichen Leiter freigegeben war, unter Druck setzte.

Wo liegt also das Problem? Was kann geändert werden? Was muss geändert werden?

Unsere Meinung: Wir brauchen dringend eine Novellierung, des mehr oder weniger verkorksten Rettungsdienstgesetzes. Es muss endlich Rechtssicherheit für einen Beruf geben, der für unsere Gesellschaft so dringend notwendig ist und der auf einen akuten Mangel an Fachkräften zusteuert. Dabei dürfen kleinliche Interessen und Animositäten bestimmter Berufsgruppen, auch von Ärzten, keine Rolle spielen, denn es kann nun einmal nicht zu jedem Patienten ein Notarzt fahren. Zum einen haben wir nicht so viele, zum anderen ist es aus unserer Sicht auch einfach nicht nötig! Die Politik muss handeln, damit die Retter, die jeden Tag für unsere Sicherheit auf der Straße unterwegs sind ihren Beruf endlich in voller Legalität ausüben können. Und zu guter Letzt müssen Rettungsorganisationen hinter ihren Leuten stehen. Schaut man in die Präambel der Äußerung der ÄLRDs Bayern, dann wird man lesen, dass zu jeder invasiven Maßnahme ein Notarzt nachzufordern ist (http://www.aelrd-bayern.de/index.php?option=com_content&view=article&id=268:notsang&catid=80&Itemid=556). Wenn wir das so handhaben, dann reicht doch eigentlich ein Führerschein als Quali für den Notfallsanitäter.

Wir beide, Marius und Falk haben jahrelang andere Erfahrungen gemacht und wissen trotzdem, dass den Kollegen in allen Bundesländern, aber besonders denen in Bayern die Rechtsgrundlage für ihre Arbeit fehlt und wir sprechen uns dafür aus, dass sich das ändert.

Wir finden, das musste mal gesagt werden.

Bis zum nächsten Mal,

Marius und Falk.